Eine Reise durch den indischen Teil des Himalaja
Japan steht am Anfang meines Asientrips. Ich bin zum ersten Mal hier und doch immer wieder fasziniert ob der totalen Technologisierung des Lebens. Um Mitternacht herrscht in Tokio Hochbetrieb, alles in grellem Neonlicht getaucht. Ein paar Stunden später bin ich in einer anderen Welt, New Dehli, Indien. Hier braucht es rohe Kraft, um die Taxitür zuzukriegen, und starke Nerven, bis man sich durch alle aufdringlichen Fahrer gewühlt hat und in einem Fahrzeug sitzt, von dem man befördert werden möchte. Tiefe Löcher im Asphalt statt Komfortbelag, der Verkehr fließt zäh, die Luft Gesätigt mit Abgasen und dem Gestank von Tierfäkalien. Heilige Kühe überall, und alle behandeln sie mit größtem Respekt. Unser nächstes Ziel ist das grüne Kullu Valley. Nach einer sechzehnstündigen, abwechslungsreichen Busfahrt treffen wir in Manali ein. Manali liegt am Fuß des Himalaja auf rund 2000 Meter über dem Meer und ist deshalb ideal zum Akklimatisieren. Mit kleinen Bike-Touren bereiten wir uns auf den Zentralhimalaja vor, wo wir auf mehr als die doppelte Höhe aufsteigen werden. Nach einigen Tagen fühlen wir uns bereit. Wir verladen unser Gebäck und erreichen nach einer wilden Taxifahrt über fragwürdige Straßen Darsha, den Ausgangspunkt unseres Abenteuers. Von nun an transportieren Maultiere unser Gebäck. Jeden Tag fahren wir auf anderen Wegen, entdecken neue Landschaften. Ich bin jedes mal tief beeindruckt. Unmöglich, die Faszination der Bergwelt des Himalaja in Worte zu fassen. Schon am zweiten Tag überwinden wir den 5100 Meter hohen Shingu-La-Pass bei bis zu 60 Zentimeter Neuschnee. Acht Stunden lang schiebe oder trage ich mein Bike. Ich komme mir selber vor wie ein Lasttier, obwohl die mein übriges Gebäck tragen. Die Gegend ist beinahe menschenleer. Hin und wieder treffen wir andere Reisende. Einmal begegnen wir Nomadenfrauen, denen wir beim Melken ihrer Yaks zuschauen. Wir kosten die frische Milch und den geräucherten, lang haltbaren Käse. Am neunten Tag unserer Reise erreichen wir Padum, ein Dorf an einer Straße. Vor uns liegen weitere neun Pässe. Deren höchster ist mit 4900 Metern der Sengi La. Die Aufstiege werden immer steiler, immer öfter schultere ich mein Bike. Der 17. Tag endet mit einem letzten gemeinsamen Abend in Wanla. Den allerletzten Aufstieg zum Prinkiti La genießen wir richtig. Die abschliessende Abfahrt ist ein weiterer Höhepunkt und der würdige Abschluss einer einzigartigen Tour. Dann sind wir in Lamayuru, dem Ziel unserer Reise. Wir besuchen das örtliche Kloster und danken Buddha dafür, dass alles glatt lief. In der kleinen Stadt, die uns nun recht groß und betriebsam vorkommt, ruhen wir uns ein paar Tage aus. Dann müssen wir schauen, dass wir so schnell wie möglich nach Süden kommen. Es ist Oktober, bald werden die Pässe unpassierbar sein. In New Delhi erwartet mich wieder ein anderes Indien. Nach den Erlebnissen der letzten Wochen sollte es mich nicht mehr so erschrecken. Ein Glück, den Himalaja auf dem Bike erkunden zu dürfen, solange es dort kaum Straßen und fast nur Singletrails gibt.
Also ich war einmal in Nepal - die dünne Luft zehrt an der Substanz, ein erfreulicher Effekt dieser Schinderei war eine Gewichtsabnahme von 8,7 kg in 2 Wochen. Jetzt mache ich lieber einen ausgiebigen Urlaub in einer Therme in der Steiermark oder im Burgenland!
Add A Comment
You must be logged in to post a comment.