Reisebericht Makadi Bay, Hurghada (Ägypten)
Viele Menschen interessieren sich aus den unterschiedlichsten Gründen für Ägypten als Reiseziel. Ob nun aus rein touristischer oder archäologischer (Pyramiden, etc.) Sicht oder einfach auch nur deshalb, um einmal ein neues Land zu erkunden. Vielleicht wäre Ägypten auch ein Reiseziel für Sie? Nach rund 4 Stunden Flugzeit erreicht man vom Flughafen Wien-Schwechat aus den Airport Hurghada (Ägypten). Dieser ist eine Drehscheibe für Angehörige vieler Nationalitäten. Dort angekommen wird man sozusagen in „Schlangenlinien“ mittels Absperrungen zu den Passkontrollen geleitet. Zur Zeit herrschen strenge Kontrollen, die der Sicherheit der Fluggäste und Ankommenden dienen, man wird insgesamt 4 Mal kontrolliert. Der Flughafen selbst ist gut klimatisiert, sobald man diesen verlässt, herrschen allerdings bereits „ganz andere Temperaturen“ als gewohnt, die jedoch meist von angenehm warmem Wüstenwind begleitet werden und somit noch erträglich sind. Meist sind die Reiseveranstalter sehr gut organisiert, die Angestellten stehen mit deutlich sichtbaren Tafeln am Parkplatz und man wird sozusagen „über Etappen“ zum meist vollklimatisierten Shuttle-Bus geleitet.
Unser Reiseziel Makadi Bay liegt etwas außerhalb von Hurghada, das als Touristenmetropole gilt. Mit dem Bus sind es vom Flughafen Hurghada aus nach Makadi Bay rund 40 Minuten. Bei der Abfahrt vom Flughafen fallen einem bereits die Unmengen von sandiger Umgebung und die dahinter liegenden Berge auf. Auch die mit Gepäck vollbeladenen Dachgalerien der Einheimischen, eine niedrig gebaute Siedlung (Moubarak 6) und viele, viele Schwellen, über die sich der Reisebus langsam voranbewegt. Die Ausfahrt vom Flughafen wird nochmals bewacht, dann geht es weiter durch Hurghada und lange Zeit nur an Sanddünen, die hie und da durch Palmen aufgelockert werden. In puncto Umweltschutz darf man sich nicht zu viel erwarten – die Stürme tragen offensichtlich auch sehr viel Schmutz in die Dünen. Am Reiseziel Makadi Bay angelangt geht es nochmals durch eine Security-Kontrolle. Spätestens hier weiß man, dass man sich sozusagen in einem Bereich des „geschützten Wohnens“, also einem Urlaubs-Ressort aufhält. Weiter geht es dann an einem riesigen 18-Loch Golfplatz, der attraktiv angelegt ist und auf dem sogar ägyptische Golf-Meisterschaften ausgetragen werden. Danach heißt es aufpassen, denn für den ungeübten und erstmaligen Ägypten-Besucher klingen vorerst alle Hotelanlagen ungefähr gleich (sie beginnen alle mit „Makadi Bay“) und man sollte nicht unnötig beim falschen Hotel aussteigen und nötigenfalls sicherheitshalber bei der Reisebegleitung des Veranstalters nachfragen. Hier kann man auch erstmals Bekanntschaft mit der – etwas ungewohnten – Mentalität der Ägypter machen, die oftmals einen Sinn für Humor haben, den wir so nicht gewohnt sind, nämlich z.B. dass man es witzig findet, den frisch angekommenen Urlauber damit zu überraschen, dass das Reisegepäck abhanden gekommen ist (das dann nach anfänglicher Verzweiflung und Ratlosigkeit des Urlaubers) plötzlich in einem anderen Gepäcksabteil des Reisebusses wieder auftaucht. Jedenfalls ist die Erleichterung aber größer als der anfängliche Ärger über vermeintlich verloren gegangene Gepäckstücke.
Bei den Hotels selbst gibt es meist auch eine elektronische Eingangsschleuse und einen Security-Mann, der mit Scanner darauf achtet, dass niemand Unbefugter Eintritt ins Hotel erhält. Beeindruckend dann die Anlagen selbst. Die Lobbys sind großzügig im orientalischen Stil eingerichtet, die Klimaanlagen machen den Aufenthalt dort angenehm. Die Rezeptionisten sind freundlich und bemüht. Der Poolbereich wirkt gepflegt, Liegen sind ausreichend vorhanden. Liegetücher kann man bei Bedarf meist täglich wechseln. Die Anlagen sind gepflegt und werden mit eigenen Süßwasser-Aufbereitungsanlagen und Brauchwasser gegossen und liebevoll in Schuss gehalten. Ein oftmals paradiesischer Anblick für Blumen- und Pflanzenliebhaber. Lustig die Dattelpalmen, deren Früchte mittels Netz-Säckchen geschützt werden.
Die Zimmer in den Anlagen sind ebenfalls groß, schön eingerichtet und man fühlt sich dort von Anfang an wohl. Von den Klimaanlagen darf man sich nicht zu viel erwarten. Entweder sie funktionieren fast gar nicht, kühlen also nicht, oder sie haben trotz des Versuchs, eine Einstellung vorzunehmen, nur eine Temperatur: kalt, was speziell in den noch immer heißen Nachtstunden oftmals zu Wanderungen zwischen Klimaanlage anschalten, niederlegen, nach einer Weile wieder aufstehen, Klimaanlage abschalten, etc. führt. Unbedingt zu beachten ist von Anfang an, dass die Sonne gnadenlos scheint. Lufttemperaturen um 8.30 h morgens bereits 40 Grad, Polltemperatur 28 Grad. Für hellhäutige Menschen empfiehlt sich in den ersten Tagen ein Sonnenschutz mit sehr hohem Lichtschutzfaktor bis zu LSF 50. Beim Schnorcheln möglichst ein T-Shirt anlassen, damit man am Rücken keinen Sonnenbrand bekommt!
Der Strand ist feinsandig (und heiß!), die Liegen sind meist durch Flechtkörbe geschützt, die Sonnenschirme sehr groß und dadurch erspart man sich die mehrmalige „Wanderschaft“ mit den Liegen. Meist weht ein angenehmer Wind, der die Temperaturen einigermaßen erträglich macht. Das Rote Meer ist traumhaft! Es waren auch keinerlei Anzeichen von Erdöl zu entdecken, hier kann also zumindest für Makadi Bay Entwarnung gegeben werden. Die Sandstrände werden von den Hotelbediensteten emsig sauber gehalten. Es gibt auch überall kleine Keramik-Sammelbehälter, in die man z.B. leere Getränkebecher schmeißen kann. Bei Tagestemperaturen um die 50 Grad lässt es sich im warmen Meer wunderbar schwimmen, die Fische kommen dank eines Korallenriffs und der damit verbundenen beruhigten Zone bis ganz nah ans Ufer. Für Taucher und Schnorchler bietet sich ein wahres El Dorado. Wobei man aber sagen muss, dass für einen Schnupper-Tauchgang immerhin 54 Euro verlangt werden, was im Vergleich zu Österreich relativ „happig“ ist.
Von den örtlichen Unternehmen und auch vom Reiseveranstalter werden auch diverse Schiffsfahrten angeboten, etwa zu Inseln bzw. zum Schnorcheln auf hoher See. Diese sind relativ preisgünstig und bewegen sich im Rahmen von 35-44 Euro pro 7stündiger, sogenannter Halbtags-Fahrt. Hier sollte man vergleichen und sich am ehesten für einen vom Reiseveranstalter empfohlenes Unternehmen entscheiden, da nicht immer auf vorgegebene Sicherheits-Standards, etc. geachtet wird. Man darf sich auch nicht zu viel erwarten. Bei einer Halbtagsfahrt ist man z.B. 7 Stunden auf See und kann dabei ½ bis maximal 1 Stunde Schnorcheln bzw. tauchen. Die Schiffe entsprechen nicht den Abbildungen im Katalog, Liegen gibt es meist keine an Bord, die Bordverpflegung ist mittelmäßig. Die versprochenen „Inseln“ sind meist nur Steinhaufen, also wenig beeindruckend. „Delphinkontakt“ gibt es meist keinen, obwohl er bei der Anpreisung im Vorfeld sozusagen wie selbstverständlich erscheint. Die Fischwelt, die man dabei sieht, ist im Grunde genommen nicht viel anders als diejenige, die man auch bereits vom Schnorcheln am Meeresstrand kennt.
Nicht außer Acht zu lassen: nicht jeder verträgt – speziell zu Beginn seiner „Seefahrertätigkeit“ gleich eine lange Schiffsfahrt auf einem relativ kleinen Schiff. Auffällig auch die spärliche Sicherheitsaurüstung (speziell im Hinblick auf Rettungsreifen) bei einem örtlichen Anbieter. Fische sollten möglichst nicht angegriffen werden. Selbst kleine und harmlos anmutende Fische können giftig sein und man kann sich viele unangenehme Schmerzen ersparen, wenn man dies beherzigt. Es ist auch verboten, Muscheln oder Korallen zu sammeln und diese sozusagen als Reiseandenken mitzunehmen. Die ägyptische Küche ist zumindest für 1 Woche abwechslungsreich, es gibt viel Vegetarisches und ansonsten durch die Religion bedingt nur Hühner- und Rindfleisch. Brot wie in südlichen Ländern üblich nur eine Art Weißbrot, das eher fade schmeckt. Spatzen werden dort in eigenen Käfigen nahe der Restaurants gehalten, sie wirken wie eine Art „Gesundheits-Polizei“, sind allerdings auch an den Buffets und auf den eventuell nur kurz zurück gelassenen Speisen auf den Tischen zu sehen, wo sie sich nach Herzenslust im Großen und Ganzen ungehindert bedienen. Sie sind trotz des üppigen Speiseangebots – anders als unsere Spatzen – sehr klein und schlank.
Erkrankungen des Magen- und Darmtrakts durch das Essen und die kalten Getränke (ohne die es vermutlich nicht auszuhalten wäre) lassen sich selbst durch strengste Hygiene-Regeln und Vorsicht kaum ausschließen, halten sich aber glücklicherweise meist einigermaßen in Grenzen. Was auffällt, ist die „Überfreundlichkeit“ der (männlichen, weibliche waren nicht zu sehen) Angestellten. Speziell zu Beginn des Ägypten-Urlaubs wird es eher als störend empfunden, wenn (trotz all inclusive-Buffets) immer wieder gefragt wird, ob alles in Ordnung ist und ob man noch etwas zu Trinken haben möchte. Im Laufe des Aufenthalts gewöhnt man sich ein wenig daran und überhaupt „entschleunigt“ man und nimmt alles etwas lockerer und gelassener. Andere Länder, andere Sitten….
In den Anlagen und auch etwas außerhalb gibt es meist diverse Shops. Man kann überall mit Euro bezahlen, braucht also nicht umzuwechseln und somit auch keine ägyptischen Pfund bzw. Piaster mit sich herumzuschleppen und eventuell wieder zu einem schlechteren Kurs umzuwechseln, wenn man das Land wieder verlässt. Das Angebot in den Bazaren ist einigermaßen Bescheiden, diverser landestypischer Kitsch, wobei öfters das Etikett „Made in China“ auffällt, geschmacklich fragwürdige Teppiche. Etwas interessanter das Angebot an Halbedelsteinen, bunten Glaskännchen, etc. Sehr unterschiedlich die Preise für Postkarten die zwischen 1 Euro pro Stück und 1 Euro für 5 Stück schwanken. Sehr enttäuschend der Bazar in Hurghada selbst, wo sozusagen fast nur Kitsch zu überhöhten Preisen angeboten wird. Die Händler in den Bazaren wissen mittlerweile auch bereits, dass ein Urlauber davon ausgeht, dass die Waren rund die Hälfte des verlangten Preises wert sind, also setzen sie ihre „Erst-Preise“ oft unverschämt hoch an. So kann es z.B. vorkommen, dass für einen Silberarmreif 1100 (!) Euro verlangt werden. 550 wären noch immer weit über dem Preis und schließlich einigt man sich dann auf 30 Euro. Die sogenannte Altstadt von Hurghada hat nicht viel zu bieten, außer z.B. einem 25 Jahre alten Gebetsraum. Allein reisende Frauen werden zwar freundlich bedient, man darf jedoch niemals vergessen, dass man sich in einem islamischen Staat befindet. Wenn man sich – bedingt durch die Temperaturen – in gewohnter Weise leicht bekleidet (weil es anders gar nicht auszuhalten ist), dann muss man damit rechnen, mehr oder weniger freizügige Angebote zu erhalten. Frauen sollten auch zu Zweit nach 19 Uhr außerhalb der Urlaubsanlagen nicht mehr unterwegs sein.
Für moderne und freiheitsliebende europäische Frauen sind die Zustände in Ägypten gewöhnungsbedürftig. Frauen, die auf Partnersuche nach einem Ägypter sind, können dort leicht fündig werden, müssen aber immer bedenken, dass Ägypter z.B. mehrfach verheiratet sein dürfen und es ansonsten auch nicht so genau nehmen und dass eine Frau eben „nur“ eine Frau ist. Frau sollte sich hier also keinen Illusionen hingeben und die Unterschiede in der Erziehung und Mentalität realistisch betrachten. Wenn Paare unterwegs sind, dann werden die Frauen zwar respektiert, es wird jedoch meist nur „von Mann zu Mann“ gesprochen. Ungewohnt auch der Anblick von moslemischen Frauen in Ganzkörper-Schwimmanzügen im Pool. Amüsant, daß im örtlichen Fernsehen eine Fernsehübertragung des Kinohits „Der Teufel trägt Prada“ (mit Anne Heathaway, Meryl Streep) durch das nachmittägliche Gebet des Muezzins unterbrochen wurde, danach ging es wieder weiter.
Resümee: Juni ist nicht unbedingt ein Monat in dem man als nicht unbedingt Hitze-gewöhnter Mitteleuropäer nach Ägypten reisen sollte, vorwiegend sind die Monate März, April und Oktober zu empfehlen. An einem Tag hatte es bei Windstille sogar an die 60 Grad, was sich ohne viel Bewegung speziell für nicht mehr ganz junge Menschen gerade noch irgendwie aushalten lässt und wobei selbst die Ägypter sagten, dass es heiß wäre. Für Tauchbegeisterte, Schnorchler und Hitzehungrige ist Ägypten ein ideales Reiseziel. Ägypten ist ein Land der Gegensätze.
Reisebericht Makadi Bay, Hurghada (Ägypten) Ende Juni 2010
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